CORONA TIMES

The Finest Corona 2020

… eigentlich ist die Aufgabenstellung ja recht simpel: geh nach Hause, mach die Tür zu, setz Dich aufs Sofa – und warte ab, bis der Spuk vorbei ist, ein paar Tage, ein paar Wochen, was ist schon ein Monat aufs Leben gerechnet? Und außerdem: Wolltest Du nicht schon immer mehr Zeit mit Deinen Kindern verbringen, ja vielleicht sogar mit Deinem Mann, Deiner Frau, dem Menschen an Deiner Seite eben?

Und hast Du Dich nicht schon immer darüber beschwert, dass der Urlaub viel zu kurz war, Jahr ein, Jahr aus, kaum bist Du angekommen, kaum entspannt, musst Du auch schon wieder los und buckeln, Deiner Karriere folgen, diesem vagen Traum vom großen Glück, gespickt mit Deiner ständigen Angst, dass die Kohle irgendwann dann doch nicht mehr reicht, wenn Du wirklich alt bist? Und warst nicht auch Du dabei, als sie noch vor drei, vier Wochen in den Bars und Restaurants getönt haben, man dürfe die Sache mit dem Virus jetzt bitte wirklich nicht zu ernst nehmen, was haben wir schon mit Fledermäusen aus China zu tun, das ist doch was für Bild-Leser, und außerdem: jetzt erstmal ne Runde Corona für alle!?
Tja.

Und jetzt sitzt Du tatsächlich da, da auf Deinem Sofa, Jogginghose, Pantoffeln, Fernbedienung; und merkst, dass das mit dem „Mehr Zeit mit den Kindern verbringen“ so eine Sache ist… zumal, wenn sie Flöte üben, Flöte, Flöte, Flöte den ganzen verdammten Tag; sitzt da und fragst Dich, an welchem Punkt Ihr falsch abgebogen seid, Du und er, Du und sie, Ihr beiden eben, die Ihr auf einmal merkt, wie laut Euer Gegenüber eigentlich atmet; bist plötzlich wach bis in die Puppen und schreibst WhatsApp um WhatsApp, und das sogar an Leute, mit denen Du schon seit Ewigkeiten nichts mehr zu tun hattest (aus guten Gründen… zumal einige von ihnen Deine Verflossenen sind); räumst die Küchenschränke aus und wieder ein und musst Dir eingestehen, dass es das Highlight Deines Tages war, Deinen ohnehin nicht mehr funktionstüchtigen Sandwichmaker von jahrzehntealten Käseresten befreit zu haben; und warum zur Hölle klatschen die Leute da draußen schon wieder, während Du grade so schön vor

der dritten Wiederholung der sechsten Folge der zwölften Staffel von MacGyver weggeschlummert bist…?
Tja.

Die Welt steht still – doch sie dreht sich weiter, immer weiter. Dennoch. Es ist ein Moment des Innehaltens. Und Grund genug, einen Blick zurück zu werfen auf einen Sonnentag Ende März vergangenen Jahres, als wir in der Bar Italia zusammengesessen haben, die Geschäftsführerin dieses Magazins und der Verfasser dieser Zeilen, und uns gesagt haben: dann machen wir eben wieder Zeitung – und fingen einfach an; Zeit genug, einen Blick zu werfen auf die Geschichten, die wir Euch bereits erzählt haben, die von Woodstock zum Beispiel und die von Banksy, die von Málaga und Sevilla, die von Max von Thun, Anton, dem Dude, und auch die von Manolo Rincón. Unter anderem.

Denn natürlich hätten wir Euch auch in diesem Monat, in dem unser Magazin, Nullnummer inklusive, zum zehnten Mal erscheint, gerne neue Geschichten erzählt; zum Beispiel von den weltberühmten Osterprozessionen in Andalusien – einzig, sie finden nicht statt; von den Sehenswürdigkeiten in Cordoba, dieser wundervollen Metropole – einzig, Ihr dürft grad nicht hin; von schönen Golfplätzen, auf denen Ihr grade nicht spielen, schönen Autos, die Ihr grad nicht kaufen und schönen Booten, die Ihr grad nicht fahren dürft. Und haben uns dagegen entschieden – zugunsten eines, wie wir hoffen, interessanten und inspirierenden Rückblicks; denn eines ist in unsicheren Zeiten stets sicher: die guten Zeiten, sie kommen wieder. Schon bald. Für uns – und für Euch.

Doch vorerst: Bleibt auf Euren Sofas. Und schaut hin und wieder auf www.thefinest-magazine.com vorbei. Denn wir schreiben weiter – von unseren Sofas aus. Für Euch da draußen – für Euch da drinnen.

Euer Masken-Team von the finest