… es geht ja schon fragwürdig los: ein paar Magier aus dem Morgenland haben – möglicherweise nach dem gemeinschaftlichen Genuss von Myrrhe und Weihrauch? – eine nächtliche Sternerscheinung, satteln daraufhin kurzum ihre für solche Anlässe offenbar jederzeit bereitstehenden Kamele und machen sich flugs auf den Weg durch die Nacht, grobe Richtung erstmal Jerusalem, sind ja nur 1.200 Kilometer, von dort aus jedoch nach dem gut gemeinten Ratschlag eines befreundeten Propheten weiter Richtung Bethlehem, glücklicherweise nur schlanke zehn Kilometer entfernt, denn dort, in Bethlehem, wartet wohl, so ist man sich sicher, kein geringerer als: der Messias selbst. Frisch auf die Welt gekommen nach jungfräulicher Befruchtung, ergo unbefleckter Empfängnis, in einem nicht näher definierten Stall, vor dessen Pforte dann auch noch – sic! – ein mit einem Ochsen sprechender Esel auf die Jungs vom Kaspischen Meer wartet…

Halleluja!
Doch abgesehen von mystischen Sterndeutern und sprechenden Nutztieren hat das biblische Roadmovie einen weiteren Haken – der heilsbringende Messias nämlich kam allem Anschein nach erstens im Frühling, zweitens in Nazareth und drittens, als wäre all das nicht schon genug, fünf Jahre nach seinem vorgeblichen Geburtstag zur Welt. Wer kann das schon von sich behaupten?Weihnachten also – Zeit der Besinnlichkeit, der Kerzen in Kränzen, der Nadelbäume neben dem Sofa und auch die Zeit jener Mariah Carey, die sich Jahr für Jahr allein dank ihrer weihnachtlichen GEMA-Tantiemen für „All I Want For Christmas Is You“ eine weitere Villa in Beverly Hills dürfte leisten können. Der sympathische Einzelhandelskiller Amazon schaltet emotionsschwangere Zwei-Minuten-Spots zur besten Sendezeit und freut sich im Gegenzug wie Schmitz Katze auf einen Saisonumsatz von schlanken 70 Milliarden US$ weltweit; die Fernsehsender rufen uns dank ihrer herz-erwärmenden Jahresrückblicke und Spendengalas ins Gedächtnis, dass ein weiteres Kriegsjahr seltsam spurlos an uns vorbeigezogen ist und auch, dass in Afrika – noch immer – Kinder wie die Fliegen sterben, während die Ladekabel unserer Smartphones – noch immer – zu kurz sind, um von der Steckdose bis zum Nachttisch zu reichen – es ist aber auch ein Graus!Dennoch: Weihnachten ist auch die Zeit des fröhlichen Zusammenkommens – und, Achtung, schlechtes Wortspiel, zusammen Kommens: laut Geburtenstatistik nämlich kommen die meisten Kinder im September zur Welt, was wiederum, rein statistisch, bedeutet, dass es trotz (oder gar wegen?) Mariah Carey dennoch ordentlich zwischen den Biberwäschelaken knistert. Auf der anderen Seite trennen sich rund 20% der zuvor noch so innig-vereinten Paare nach der Weihnachtszeit
– ob Würstchen und Kartoffelsalat die Schuld tragen (immerhin das Weihnachtsessen von einem Viertel der Deutschen) oder die Tatsache, dass in Großbritannien zwar sieben von zehn Hunden ein Weihnachtsgeschenk bekommen, doch nur 25% der Männer, also zweieinhalb von zehn, das Wunschpräsent von ihren Frauen? Wir wissen es nicht. Doch eines, das wissen wir sicher: der Alkoholkonsum steigt in der Vorweihnachtszeit im Mit-tel um 36%. Und das wird seine Gründe haben…
Doch wer denkt, der geneigte Leidensgenosse würde seinen weihnachtlichen Dauerkater so sehr bereuen, dass er dem Alkohol bei Bleiguss und Böllern an Silvester dann ein für alle Mal abschwören würde: weit gefehlt!

Lediglich jeder zehnte möchte im neuen Jahr weniger trinken oder mit dem Rauchen aufhören – jeder zweite hingegen urplötzlich mehr Sport machen, abnehmen und sich gesünder ernähren. Süß…
The Finest wäre jedoch nicht The Finest, wenn unser Magazin nicht auch mit besinnlichen Fakten rund um die wundervoll-beschauliche Weihnachtszeit aufzutrumpfen versuchte wie jedes andere werbefinanzierte Magazin an der Küste, denn unser Vorsatz für 2020 lautet: Mitläufer werden – um jeden Preis.
Also:
Der Adventskranz wurde 1839 von Johann Hinrich Wichern erfunden – und der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute schätzt, dass heute, 180 Jahre später, rund 12.000 von ihnen allein in Deutschland pro Jahr in Flammen aufgehen und damit einen Schaden von mehr als 36 Millionen Euro verursachen.
Die Psychologin Carole Slotterback analysierte knapp 1.200 Briefe, die Kinder an den Weihnachtsmann geschickt hatten. Dabei stellte sich heraus, dass die Kinder von Jahr zu Jahr unhöflicher wurden, was den Wunschzettel anging. Ein Kind stach im Jahr 2009 besonders hervor: mit einer Morddrohung an den Weihnachtsmann. Das berühmteste Rentier der Welt, der liebe Rudolph, kann – rein bio-logisch – kein Männchen sein. Die männlichen Rentiere nämlich werfen ihr Geweih alljährlich um die Winterzeit ab – die Weibchen hingegen erst im Frühjahr. Das macht unseren Rudolph also entweder zur Frau – oder zum Kastraten.
Einer geht noch? Gut: Eine britische Studie hat ergeben, dass auf Geschäftsweihnachtsfeiern so Einiges abgeht: Die Hälfte aller Anwesen-den sucht ein erotisches Abenteuer, ein Viertel fordert im Durchschnitt betrunken eine Gehaltserhöhung, neun Prozent kündigen einfach gleich – und ein gutes Drittel prügelt sich zum Abschluss.
Doch nun tatsächlich genug der übertrieben-pathetischen Besinnlichkeit, die Euch in diesem Text aus jeder Pore unserer kleinen sympathischen Redaktion entgegen-weht wie der Duft von angebrannten Mandeln auf dem schneevermatschten Weihnachtsmarkt! Genug der übertrieben-theatralischen Beschreibung leuchtender Kinderaugen vorm Weihnachtsbaum und auch der verklärten Überzeichnung jenes unbeschreiblich schönen Moments, wenn die gesamte Familie endlich, ja endlich wieder vereint vor der halbgaren Gans zusammensitzt und sich Anekdoten von früher erzählt, die glücklicher-weise längst in Vergessenheit geraten waren. Genug, genug, genug!

Und einfach nur: auf ein Neues – in 2020! Wir freuen uns…