THE FINEST MUSIC – ESTOPA

THE FINEST MUSIC – ESTOPA

Estopa – Ihr Sound klingt ähnlich wie Los Chichos

… und tatsächlich: der Bus, der uns an jenem wolkenverhangenen Dezembersonntag von Almayate nach Málaga bringen sollte, er kommt einigermaßen pünktlich – selbst ALSA meint es also gut mit uns, denken wir uns still, während uns der Wind an der Halte- stelle um die Ohren bläst – und nicht pfeift.

Bestens versorgt mit ein, zwei Fläschchen Fahrtwein (55 Minuten können lang sein, wissen erfahrene Önologen wie Du und ich…), der edle Inhalt serviert in stilvollen Plastikbechern, macht sich das Team von the finest also – wie versprochen – auf zum Estopa-Konzert in den Sportpalast. Block C, Reihe so und so, beste Sicht auf ein Spektakel der Extraklasse: zweieinhalb Stunden auf die Ohren, aber wie!
Keine Vorband, kein Drumherum: pünktlich wie ein ALSA-Bus stehen sie um acht auf der Bühne, die beiden Brüder aus Barcelona, David und der andere, also der mit der Gitarre, der nicht ganz so hübsche, wie heißt der noch gleich, Moment, Wikipedia, ah ja: José Manuel, also: stehen sie auf der Bühne, die beiden Brüder aus Barcelona, und brennen die Bude ab.

Seit 20 Jahren machen sie das nun schon, auf der Bühne stehen und Bu-den abbrennen, und bei aller choreographierten Abgebrühtheit: man nimmt ihnen ab, dass da noch immer die zwei Jungs aus der Vorstadt mit ihren halb verwaschenen T-Shirts vor einem stehen und von geschlitzten Röcken und großen Träumen singen, von gebrochenen Herzen und ja, ab und an auch mal von politischer Ungerechtigkeit –

„El Run Run“ und „Cuando Amanece“ erreichten die Nummer eins der Billboard-Charts in Spanien

wis-send natürlich, dass die T-Shirts heute nicht mehr von C&A stammen und es sich leichter vom trostlosen Fließband-Dasein singen lässt, wenn man eben nicht mehr trostlos am Fließband steht.

Doch sei’s drum. Die Playlist des Abends: ein gut ausgeklügelter Mix aus Neuem, das man verkaufen möchte, und Altem, das einen das Neue verkaufen lässt. Und natürlich können wir an dieser Stelle nicht für all die Zigtausenden sprechen, die da im großen Rund ihren Idolen BHs und Kussmünder zuwarfen, wenn sie nicht grade ihre Instagram-Livestories mit neuen Instagram-Livestorycontents füllten, wenn wir sagen: es waren vor allem die Klassiker, die ojitos rojos natürlich, der geschlitzte Rock nicht minder und auch unser heiß geliebter Camaron, die uns in unserem distinguierten Alter aus unseren Plastikstühlen getrieben haben wie andere Bands schon lang nicht mehr.

Und so sagen wir’s denn auch mit ihren Worten, den Worten der beiden Jungs vom Fließband, den Worten von David und dem anderen:
soy como un vino tinto
que si me tomas en frió engaño
y con los años me hago mas listo
cariño