the finest trip – Ronda

the finest trip – Ronda

„Ach, Jake“, sagt Brett am Ende des im Jahre 1926 erschienenen Romans Fiesta zu, na wem wohl, Jake, „ach, Jake, wir hätten so glücklich zusammen sein können.“ Sind sie aber nicht geworden, auch und schon gar nicht am jähen Ende jener düsteren Reise, in der der amerikanische Trunkenbold und Autor Ernest Hemingway seine Protagonisten an unserer statt eine „verdammt traurige Geschichte“ (er)leben ließ, in der schlussendlich und eigentlich, so der Schriftsteller, lediglich aufgezeigt werden sollte, „wie Menschen zugrunde gehen.“
Macht Ronda also melancholisch oder gar depressiv? Natürlich nicht (nur) …

Dennoch: Nicht nur der Schriftsteller und Berufsmelancholiker Ernest Hemingway, der in besagtem Roman unter anderem über den legendären aus Ronda stammenden Matador Cateyano Ordónez schreibt, sondern auch kreative Größen wie der Regisseur Orson Wells und der österreichische Lyriker Rainer Maria Rilke sind ihm verfallen, dem leicht morbiden Charme dieser einzigartigen Stadt, erbaut auf einem Felsen rund zwei Stunden von der Küste entfernt und weltberühmt vor allem auch für ihre 120 Meter hohe Brücke Puente Nuevo, die die Altstadt Rondas mit dem jüngeren Viertel El Mercadillo verbindet.

Und auch hier wieder: die Depression! Der Tod! Heureka! Denn Jose Martin de Aldehuela, der Architekt der Brücke, starb 1802 – also im Jahre ihrer Fertigstellung. Und woran? Nun, weil er, so sagt man sich, von seinem eigenen Bauwerk sprang; angeblich aus Angst, nach der Puente Nuevo nie mehr etwas derart Perfektes erschaffen zu können.

Nicht weniger tödlich geht es unweit der Schlucht in der Stierkampfarena zu. Ronda, das ist eben auch die Geburtsstätte des modernen Stierkampfs – und die Arena gilt bis heute als eine der größten und schönsten Spaniens. Wobei wir natürlich wieder bei Hemingway wären, der der Stadt in seinem Roman

„Wem die Stunde schlägt“ ein Denkmal setzt, indem er die Freischärlerin Pilar davon erzählen lässt, wie die Einwohner Rondas mit Mistgabeln und Knüppeln auf Franco-Freunde und Faschisten losgingen und sie so aus der Stadt vertrieben. Eine wahre Geschichte im Übrigen – und wer weiß, wann es soweit ist, dass auch die heutigen Vox-Wähler in Ronda eines Tages mit Mistgabeln und Knüppeln… man wird ja noch mal träumen dürfen.

Nicht nur die Stadt selbst jedenfalls ist es, die seltsam entrückt wirkt, ein wenig wie aus der Zeit gefallen. Bestechen große Teile der andalusischen Küstenlinie eher durch Hotelbauten aus den 60ern, einer Autobahn aus den 90ern und Plastikplanen aus dem neuen Jahr-tausend, so gibt es rund um Ronda herum vor allem eines zu finden:
Ruhe. Pinienwälder, Olivenhaine, Weingüter und Rinderfarmen, allesamt eingebettet in ein schroffes, teils unwirtliches Berg- und Talpanorama – Stoff für romantische Bilder im Großformat.

Ronda selbst bietet (neben Statuen und Straßen ihrer drei zuvor erwähnten internationalen Helden) natürlich auch den Andalusien geschichtlich gegebenen Anstrich des Gotisch-Maurisch-Christlichen. Weiße Häuser, so weit das Auge reicht, und die meisten von ihnen scheinen halb über dem Abgrund zu schweben. Nichts für schwache Nerven – dafür ein lebendiges Ausflugsziel mit typischen Bars und Restaurants und Souvenirshops, in denen man Stierkampf-T-Shirts mit Bildern kaufen kann, auf denen netterweise das Tier gewinnt…

„Besuchen Sie Ronda für eine Hochzeitsreise oder mit Ihrer Freundin“, empfiehlt uns eingangs wie zwischen- durch und nun letztmalig erwähnter Hemingway. Und wer weiß: sollten Sie Ihre Freundin gleich mitnehmen auf Ihre Hochzeitsreise nach Ronda, vielleicht, ja vielleicht wäre das dann der Moment, in denen Ihnen ganz persönlich die Glocke, äh, Stunde schlüge…